3-Jahres Beobachtungsstudie osteopathischer und klinischer Parameter von Kindern mit diagnostizierter Haltungsasymmetrie

Daniela Bockius, Petra Thomann (CS)

 

Studienziel: Wie entwickelt sich die Haltung innerhalb der ersten drei Lebensjahre von

Kindern mit einer infantilen Haltungsasymmetrie? Welcher Zusammenhang besteht zwischen osteopathischen und klinisch-medizinischen Parametern im Alter von drei Jahren? Lassen sich mit Hilfe einer explorativen multivariaten Analyse Einflussfaktoren auf die Haltungsasymmetrie identifizieren?

Studiendesign: Beobachtungsstudie. 

Setting: Die Studie wurde an dem Zentrum für Kinder - und Jugendmedizin der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz durchgeführt.

Patienten: Das Studienkollektiv setzte sich aus 61 Kindern mit infantiler Haltungsasymmetrie (Alter 6-12 Wochen, im Jahr 2002) zusammen, die für die Therapiestudie von B. Pabst und  A. Schleupen rekrutiert wurden. In den Untersuchungsjahren 2002-2005 reduzierte sich die Zahl der Säuglinge auf 33, die  an allen Untersuchungen teilnahmen.

Intervention: Die jährlichen Untersuchungen beinhalteten Allgemeinuntersuchung, Osteopathische Untersuchung (U0 und U3), Anamnese und Fragebogen, Videoaufnahmen der Haltungs- und Bewegungsmuster. 

Zielparameter: Qualitative und quantitative standardisierte Auswertung klinischer Parameter der Haltungsasymmetrie in den ersten drei Lebensjahren von Säuglingen mit infantiler Haltungsasymmetrie. Erarbeitung einer Skala zur Haltungsasymmetrie für Kinder, angepasst an die bestehende Skala zur infantilen Haltungsasymmetrie. Korrelation von osteopathischen und klinischen Parametern bei ehemals haltungsasymmetrischen Säuglingen  im Alter von drei Jahren und explorative Analyse von potentiellen Einflussfaktoren auf die kindliche Haltungsasymmetrie. 

Ergebnisse: Skala zur Quantifizierung der Haltungsasymmetrie bei Kindern (ICC 0,76, Crohnbach Alpha 0,67) akzeptabel. Verbesserung des Asymmetriescore vorwiegend im ersten Lebensjahr (+1,2 Punkte). Die Vertikalisierung als Einflussgröße ergab ein typisches Skoliosemuster bei haltungsasymmetrischen Kindern. Es ergaben sich signifikante Zusammenhänge bezüglich der Lateralisation und relevanter diagnostischer Merkmale im Kranium (funktionelle transversale Linien; von p=0,0001 bis p=0,043).  Die Therapie  wurde anhand eines multivariaten Regressionsmodells als eine potentielle Einflussgröße im ersten Jahr bestätigt (p = 0,018). 

Fazit: Die Skala zur Quantifizierung der Haltungsasymmetrie bei Kindern ist im Rahmen von wissenschaftlichen Studien statt im klinischen Alltag wertvoll. Die Studienergebnisse implizieren eine frühzeitige Therapie zur Behandlung der infantilen Haltungsasymmetrie unter Berücksichtigung der funktionellen transversalen Linien im Kranium, dies sollte durch randomisierte Studien überprüft werden.