Einfluss von osteopathischer und physiotherapeutischer Behandlung auf die idiopathische Säuglingsasymmetrie. Eine randomisierte kontrollierte Studie.


Iris Brockmeyer, Kathi Exner-Panne, Kerstin Peschke (IFAO)

 

Studienziel:  Das Ziel der Studie bestand darin, zu untersuchen, ob eine osteopathische Behandlung kombiniert mit Physiotherapie einen höheren Effekt auf die idiopathische Säuglingsasymmetrie hat als Physiotherapie allein.

 

Studiendesign: Randomisierte kontrollierte Studie mit verblindeter Videoauswertung

 

Setting: Die Studie wurde von drei Osteopathinnen in ihren privaten osteopathischen Praxen in Solingen und Lüdenscheid durchgeführt. Die Kinder wurden über mehrere Pädiatrie- und Hebammenpraxen rekrutiert.

 

Patienten: Aufnahme von 55 sechs bis zwölf Wochen alten Säuglingen mit einer

Asymmetrie (ZKS 1), pädiatrisch untersucht und mit einer Unbedenklichkeitsbescheinigung des Arztes. Mittels externer Randomisierung wurden 28 Kinder der Osteopathie/Vojta- und 27 der Vojta-Gruppe zugeteilt.

 

Intervention: Die Osteopathie/Vojta- Gruppe erhielt 7 (5 osteopathische und 2 Vojta)

Behandlungen. Die Vojta- Gruppe erhielt ebenfalls 7 Behandlungen. Alle Eltern wurden zu einem Handling des Säuglings nach Bobath und zum Umlagern des Kindes angeleitet. In jeder Sitzung wurden die häuslichen Übungen kontrolliert.

 

Zielparameter: Primärer Zielparameter war die Asymmetrie der konnatalen, idiopathischen Säuglingsasymmetrie, erfasst mit dem Asymmetrie-Score nach Philippi et. al. und einem Bewertungsscore für die Stützfunktion der oberen Extremität (Entwicklungsalter/Kalenderalter). Das Videomaterial wurde von 4 verblindeten, unabhängigen Therapeuten bewertet. Als sekundäre Parameter wurden Begleitsymptome und Einflussgrößen auf die Asymmetrie erfasst.

 

Ergebnisse: In der Osteopathie/Vojta Gruppe (O/V) verbesserten sich die Säuglinge im MW des Asymmetriescores um 4, 15 Punkte, in der Vojta Gruppe (V) um 3, 54 Punkte. Jedoch konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. Bei der Auswertung des Stützfunktions- Items wurden die Säuglinge in beiden Gruppen deutlich jünger zum wirklichen Kalenderalter eingeschätzt (O/V = - 3,06 Wochen, V = - 4,93 Wochen). Eine komplette Auflösung der Asymmetrie erreichte keines der Kinder.

 

Schlussfolgerung: Osteopathie kombiniert mit zwei Sitzungen Physiotherapie nach Vojta hat einen ähnlichen Effekt auf die idiopathische Säuglingsasymmetrie wie 7 alleinige physiotherapeutische Behandlungen nach Vojta. Dies lässt vermuten, dass eine Verbesserung der Asymmetrie in der Osteopathie/Vojta Gruppe in nicht unerheblichem Maße durch die Behandlung osteopathischer Dysfunktionen geschieht. Weitere Langzeitstudien zu dieser Problematik sind empfehlenswert.